Bericht zum Erste-Hilfe-Kurs am 2. Mai 2015

 

In neuen Notfallsituationen werde ich schnell hektisch. Es hilft mir, vorher schon überlegt zu haben, was geschehen kann und Handlungen einzuüben, bis ich nicht mehr darüber nachdenken muss. Wenn ich sehe, dass Hilfe benötigt wird, möchte ich nicht daneben stehen müssen, weil ich nicht weiß, was zu tun ist.

Mit meinem LiBERO-Kind gab es in den letzten Jahren unzählige Notfälle. Viele davon in Form von epileptischen Anfällen. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, möchte mich aber darauf vorbereiten, so gut es geht.

LiBERO hat dieses Jahr drei Erste-Hilfe-Kurse organisiert mit dem Schwerpunkt auf lebensrettenden Sofortmaßnahmen für schwerkranke Kinder. Nachdem ein Termin im März wegen zu wenig Teilnehmern kurzfristig abgesagt werden musste, fand am 2. Mai ein Kurs statt.

Wir trafen uns in der evangelischen Kita Mascherode, die freundlicherweise ihre Räume dafür zur Verfügung stellte. Es war schönes Wetter und die Kita war ein schöner Ort für das einzige Betreuungskind an diesem Tag.

Der Ausbilder Thomas Metzner kam schwer bepackt mit zwei Übungspuppen in Baby- und Kindergröße (im Oktober wird auch eine Puppe in Erwachsenengröße dabei sein). Er schult deutschlandweit neben Eltern vor allem medizinisches Personal in Krankenhäusern, Pflegediensten und Einrichtungen.

Wir besprachen zuerst unsere Hintergründe und Wünsche an den Kurs. Dann sprachen wir die Handlungsschritte und Handgriffe für die Herz-Lungen-Wiederbelebung durch:
4 mal S, ABC, 15:2

S    Sicherheit herstellen
S    Stimulation: laut ansprechen, kneifen
S    Schrei nach Hilfe
S    Strip des Oberkörpers

A    Atmung prüfen
B    Beatmung 5 Mal
C    Circulation (Kreislauf) prüfen

15:2    Wiederbelebung durchführen: 15 Herzdruckmassagen, 2 Beatmungen

(30 Herzdruckmassagen : 2 Beatmungen für Erwachsene)

Es folgte die erste Übung an der Puppe. Man muss sich erst einmal überwinden, kräftig genug zu drücken für die Herzmassage. Ich habe gelernt, dass man ganz gut merkt, ob man effektiv beatmet. Wenn nicht, hilft z. B. das Anpassen der Kopfneigung. Damit man beim Zählen keinen Knoten im Kopf bekommt und das Tempo stimmt, kann man die Herzdruckmassage zum Refrain von „Yellow Submarine“ durchführen.

Für mich war die Essenz dieser Übung und des ganzen Kurses: Egal, ob man etwas vergisst oder etwas nicht richtig klappt: Das wichtigste ist, dass man überhaupt hilft.

Der nächste große Abschnitt mit Übung war dem Verschlucken gewidmet. Hier wurde die Übungspuppe „James“ mit abwechselnd 5 Rückenschlägen und 5 Oberbauchkompressionen (Faust in die Magengrube, um Erbrechen auszulösen) traktiert. So kann man nämlich Menschen helfen, die sich so verschluckt haben, dass sie keine Luft mehr bekommen, den Fremdkörper nicht selber abhusten können, aber noch bei Bewusstsein sind.

Der Kurs fand in einer sehr angenehmen Atmosphäre statt. Angenehm war auch die Offenheit, die Herr Metzner gegenüber den Teilnehmenden und ihren individuellen Erfahrungen zeigte. Für mich persönlich hatte, neben den Erklärungen, dem Hintergrundwissen und den Übungen, der Austausch unter den Anwesenden eine sehr große Bedeutung. Es wurde relativ viel gesprochen und sich ausgetauscht. Herr Metzner besprach mit uns unsere eigenen Notfallerfahrungen und individuelle Handlungsmöglichkeiten (z. B. den Verschlucken-Algorithmus bei einem immobilen Erwachsenen durchführen). Es wurden viele Fragen gestellt und beantwortet (Soll man schon beatmen, wenn das Kind blau wird, aber vereinzelt Atemzüge zu sehen sind? Oder das Herz noch schlägt? Was mache ich, wenn ich alleine bin in der Situation? Wie gehe ich mit den Rettungssanitätern um? Wie gefährlich ist es, 200ml Sondennahrung zu aspirieren?). Zum Schluss konnte, wer wollte, noch eine Runde „Drücken und Pusten“ üben.

Es gibt noch Plätze für den Kurs am 7. Oktober. Finden sich genug Interessierte zusammen, können auch weitere Termine organisiert werden.